Etwa sechs Wochen vor dem Entbindungstermin wird ein Aufklärungsgespräch in Vorbereitung auf die Anmeldung in der Klinik (ca. 36. SSW) in unserer Praxis durchgeführt. Auch Frauen, die sich zur Beleggeburt angemeldet haben und vor der Anmeldung entbinden müssen (z.B. bei Blutungen in der Schwangerschaft, vorzeitigem Blasensprung, Geburt eines Frühchens) werden von uns betreut.
Wenn es losgeht, d.h. regelmäßige Wehen eingesetzt haben oder die Fruchtblase gesprungen ist, wird die Hebamme verständigt. Außer in Notfällen kommt die Hebamme erstmal nach Hause. Der Geburtsbeginn wird dort solange begleitet bis regelmäßige, kräftige Wehen da sind und der Muttermund sich zu öffnen beginnt (ca. 3-4 cm Muttermundsweite). Dann fahren alle in die Klinik. Dort wird nach Kliniksstandard vorgegangen (Aufnahme-CTG, Flexüle legen, Kreislaufkontrolle, Ultraschall, evtl. vaginale Untersuchung), meist wird auf einen Einlauf verzichtet.
Während der Geburt bleibt die Hebamme im Raum, es gibt keinen Schichtwechsel; in der letzten Phase der Geburt wird oft eine zweite Hebamme aus dem Rundheraus-Team gerufen. Die Hebamme unterstützt die Gebärende in der Wahl der Positionen während der Geburt. Am Schluß bevorzugen wir die aufrechte Gebärhaltung (Sitzen, Stehen, Hängen, Knien, Hocken), da die Schwerkraft mithilft und die Frau die Bauchpresse effizienter durchführen kann.
Das Baby wird nach der Geburt – je nach Wunsch – schnell (z.B. bei Nabelschnurblutspende oder -selbsteinlagerung) oder spät abgenabelt und anschließend werden aus der Nabelschnur Blutproben entnommen (pH-Wertbestimmung, evtl. Blutgruppe des Kindes). Nach der Geburt der Nachgeburt wird geschaut ob der Damm oder die Scheide Risse davongetragen haben. Dies wird anschließend unter Lokalbetäubung von der Ärztin/Arzt versorgt.
Anschließend haben die Eltern bis zwei Stunden nach der Geburt Zeit im Kreißsaal zu kuscheln (das Kind wird möglichst innerhalb der ersten Lebensstunde an die Brust gelegt).
Nachts und bei ambulanter Geburt wird die U1 – erste Untersuchung des Kindes nach der Geburt – von einer Kinderärztin/ -arzt noch im Kreißsaal durchgeführt. Dann darf die Familie nach Hause gehen oder aber noch ein bis drei Tage (bei Bedarf auch länger) auf der Wochenstation bleiben. Es besteht die Möglichkeit für 85 Euro ein Familienzimer zu buchen (wenn eines frei ist), wir freuen uns, wenn sich die neue Familie dazu entschließt. Bis zum Tag vor der Entlassung aus der Klinik kommt die Beleghebame einmal täglich in der Klinik vorbei, danach täglich bis zum 10. Tag nach der Geburt nach Hause.
Bei einer Geburtshausgeburt fällt eine Pauschale für die Rufbereitschaft der Hebamme an.
Erfahrungsbericht eines Vaters
"Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr."
Dass ich nicht lache! Dieser flotte Reim muss aus einer Zeit stammen, in der Männer (bzw. werdende Väter) vor der Geburt des Kindes lediglich für die Zeugung herhielten. Im Zeitalter des Internet, der all umfassenden Information über War, Sein und Werden ist dies nicht mehr so. Vater werden ist Stress! Entscheidungsstress! Da heutzutage und hierzulande in einer harmonischen Beziehung gemeinsam entschieden wird, was man(n), wann, wie, mit wem macht – und wozu das gut ist – kommen auch auf den werdenden Vater weitreichende Entscheidungen zu.
Eine der wichtigsten Entscheidungen ist die der Hebamme. Hier kommt es darauf an, dass sich die Frau wohlfühlt und eine kompetente Partnerin an ihrer Seite hat. Die Meinung des werdenden Vaters spielt hier eine eher untergeordnete Rolle. Als meine Freundin mir offerierte, dass sie eine Beleghebamme zur Geburt hinzuziehen möchte, hatte ich zunächst keine Vorstellung davon. "Was macht eine Hebamme bei der Geburt? Ist die nicht für die Nachsorge da?" Hier musste ich mich eines besseren belehren lassen. Was eine Hebamme leistet, geht weit darüber hinaus. Meine liebe Freundin holte sich verschiedene Meinungen über verschiedene Hebammenpraxen ein und telefonierte mit der einen oder anderen. Dann sagte sie: "Ich glaube, ich hab jemanden gefunden – Maria!" Die beiden trafen und beschnupperten sich und hatten offensichtlich einen guten Draht zueinander. Ab diesem Zeitpunkt haben wir viele Entscheidungen zusammen mit Maria gefällt. Sie war da, wenn wir sie brauchten und wusste immer Rat, und das auch schon lange vor der Geburt, wenn es bspw. galt, ein CTG zur Beruhigung aller zu machen (auch zu Hause) oder mal eben eine Akupunkturnadel zu setzen.
Den Geburtsvorbereitungskurs haben wir selbstverständlich auch in ihrer Praxis gemacht – kein "Hechelkurs", sondern eine auch für Männer sehr interessante Veranstaltung, bei der man(n) erfährt, was bei der Geburt eigentlich passiert. Für mich sehr interessant und aufschlussreich.
Die Begleitung der Geburt lief dann unter der Regie von Maria. Wobei das nicht ganz richtig ist. Eigentlich unter der Regie des kleinen Wurms, der das Licht sehen wollte. Maria ließ ihm und uns Zeit, dirigierte alles, was um uns herum zu tun war. Hielt unnötiges von uns fern, organisierte Hilfe, wenn es zu helfen galt und schaffte es auch noch danach ins Theater. Sie war für meine liebe Freundin die erste und auch zweite Bezugsperson (in diesem Fall spielt der Vater die klassische Rolle – fast keine) während der Geburt und half sehr durch Ihre Einschätzung in Bezug auf Kraft und den Einsatz des Wehentropfes.
Auch im Nachhinein war und ist sie immer noch für uns da, wenn wir Hilfe brauchten oder nachts um vier Fragen hatten. Alles in allem "eine runde Sache". Übrigens Jungs: Eine Geburt ist keine Comedy-Show. Also nicht wundern, wenn keiner auf Witze reagiert. Am Besten einfach mal die Klappe halten.